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Umbau der Canon 350D zur Astrokamera |
| Wer mit einer Standart Canon
EOS350D DSLR Deepsky
Fotografie betreiben will, wird über kurz oder lang feststellen das
dieser Kamera in einigen Wellelängenbereichen mehr oder weniger Grenzen gesetzt sind. Es
bleiben im Prinzip nur zwei Möglichkeiten:
1.) Sich damit zufrieden zu geben, oder... 2.) Den originalen IR-Speerfilter zu entfernen und durch einen Baader-IR-Filter zu ersetzen. 3.) Den originalen Filter zu entfernen und gar keinen Filter mehr einbauen, jedoch sollte beachtet dass die Kamera dann nicht mehr für normale Fotografie eingesetzt werden kann (zumindest nicht ohne sehr grosse Einschränkungen). |
| Sehr schön sind hier die
verschiedenen
Wellenlängenbereiche dargestellt:
Oben: Mit original Canon Filter Mitte: Mit eingebautem Baaderfilter Unten: Ohne jeglichen Filtereinbau (für eine grössere Darstellung bitte auf das Bild klicken) |
| Schon länger nagte dieses
Manko an mir bzw. an meiner Kamera, aber da ich von elektronischen
Basteleien so gut wie nicht's verstehe liess ich es lange bleiben. Trotzdem
habe ich, nun ja, ehrlicher weise muss ich sagen es fand sich einfach kein
anderer der seine Kamera als Testobjekt opferte, so habe ich den Umbau nach
langem hin und her doch
gewagt und gewonnen... Mutig darf ich behaupten das JEDER! der sich ein weinig mit filigranem Basteln auskennt, diesen Umbau selber machen kann. Da man noch löten bzw. entlöten muss und man dies noch nie gemacht hat, sollte man dies an Übungstücken ein bisschen üben. Da ich aber einen sehr guten Freund habe der sich mit löten bestens auskennt konnte ich diese Übungen bleiben lassen und getrost ihm übergeben. Es ist sowieso hilfreich wenn man zu zweit ist (nicht nur der zwischenmenschlichen Beziehung oder der Unterhaltung wegen), da es einige knifflige Stellen gibt kann der zweite Mann/Frau während diesen arbeiten die Kamera halten. Wenn man allerdings niemanden hat der einem helfen kann muss man unbedingt einen Weg finden die Kamera fixieren zu können. |
| Was braucht es an Werkzeug? |
|
Lötkolben mit regelbarer Temperatur, Entlötpumpe, Lötzinn mit niedrigem Schmelzpunkt Einen möglichst kleinen, magnetischen!!! Kreuzschlitz-Schraubendreher (Uhrmacher-Werkzeug) Spitz zulaufende Werkzeuge, eines davon sollte die Form eines Hackens (ähnlich einer Stricknadel die man beim häkeln von Strickzeug verwendet) haben. Alternativ bieten sich hier auch Zahnstocher oder dickere Nähnadeln an. Einen Draht mit dem man sich erden kann, wir haben hier ein 1 Phasenkabel mit Bananenstecker genommen. Auf die eine Seite haben wir Draht gewickelt und dann mit dem Handgelenk verbunden, die andere Seite wird in die Erdung der Steckdose gesteckt. Bitte aber nur in die Erdung der Steckdose!!! Sekundenkleber, dieser sollte aber Kunststoff nicht angreifen Einen Notizblock um sich die einzelnen Schritte bei Bedarf aufzeichnen zu können Mehrer kleinere Behälter, die heimische Küche ist da eine wahre Fundgrube (aber Achtung!!! so manche Hausfrau hat gar nicht Freude wenn man die heimische Küche für den Gebrauch in der Werkstatt plündert, ein Blumenstrauss kann hier aber Wunder bewirken) Druckluft in der Dose Chirurgen-Handschuhe Reinigungsbenzin und Wattestäbchen Falls man den Baader-IR-Sperrfilter einbauen will, sollte man sich den natürlich auch noch besorgen Zum Schluss brauchen wir noch schwarzen Silikon. Ich habe mir Aquasil von JBL gekauft, dieser bleibt Temperaturbeständig von -40° bis +180° und hat beim trocknen praktisch keine Ausgasung. Diesen Silikon kriegt man für ein paar Fränkli bei Ebay. Einen sehr feinen Spachtel um den Silikon glatt zu streichen Beachten sollte man auch dass man den Umbau an einem möglichst staubfreien Ort erledigen sollte. |
| Nun kann es also los gehen... |
| Halt, bevor wir anfangen, wollen wir uns mit
dem genannten Kabel an die Erdung der Steckdose anschliessen. Aber
nur in die Erdung!!!
Als erstes werden sowohl Akku, Speicherkarte und Suchermuschel entfernt und beiseite gelegt. Alle Bilder kann man zum vergrössern anklicken |
| Die markierten Schrauben werden entfernt und beiseite gelegt. Da nicht alle Schrauben gleich lang sind bitte notieren wo welche hingehört. |
| Auf der rechten Seite beim CF Schacht werden die drei markierten Schauben entfernt, beiseite gelegt und notiert wo sie hin gehören. |
| Nun kann man die
Gehäuserückseite nach oben hin vorsichtig anheben. Vorsicht!!! eine
Datenleitung ist mit Klebeband an der Platinenabdeckung fixiert.
Das Klebeband mit dem Japanmesser vorsichtig lösen, bitte aufpassen das man nicht aus versehen die Datenleitung durchschnippelt. |
| Nun werden die beiden Datenleitungen die mit der Gehäuserückwand verbunden sind gelöst. Dazu müssen die schwarzen Halterungen nach oben hin weggeklappt werden. Nun kann man die Datenleitungen vorsichtig herausziehen und die Rückwand kann beiseite gelegt werden. |
| Auf der linken Seite wird die
Steckerabdeckung entfernt.
1. Die Abdeckung wird erst etwas nach links angelöst 2: Danach muss sie nach oben hin weggedrückt werden, dies braucht ein wenig Kraftaufwand da sie eingeharkt ist. |
| Bevor es nun weiter geht wird
als erstes der Lötkolben angeschmissen.
Sobald dieser heiss geworden ist, muss an der markierten Stelle der Kunststoff weggeschmolzen werden bis man an die Schraube kommt. Das weggeschmolzene Plastik wird danach mit dem Japanmesser weggeschnitten. Dazu die Kamera drehen und in der Luft alles wegschneiden so das die Späne nach unten hin wegfallen können. Macht man dies mit auf dem Tisch liegender Kamera könnten Späne ins Gehäuse fallen und dies wollen wir unbedingt vermeiden. Haben wir die Späne weg geschnitten können wir die Schraube lösen. hier sind wir wirklich das erstemal froh ist der Kreuzschlitz-Schraubendreher magnetisch. Die Schraube weglegen und notieren wo sie hin gehört. |
| Nun muss die mit dem Kreuz
markierte Abdeckung weggenommen werden, diese ist an sieben Stellen
angelötet. Mit dem Lötkolben kommt jetzt also noch die Entlötpumpe zum
Einsatz. Bitte mit dem Kolben nicht zu lange an einer Stelle bleiben,
lieber drei/vier mal in längeren Abständen ansetzen und entlöten
Anschliessend wird der mit dem Pfeil markierte Stecker nach oben hin abgezogen, das schwarze Klebeband oben am Stecker auch schon vorsichtig anlösen. |
| Nun müssen an den markierten
Stellen (eine Leitung verbirgt sich unter dem schwarzen Klebeband)
Datenleitungen gelöst werden, auch diese werden mit Halterungen in den
Steckern gehalten, bitte genau schauen nach welcher Seite diese
weggeklappt werden müssen.
Anschliessend werden an den rund markierten Stellen die Schrauben gelöst und beiseite gelegt, bitte unbedingt notieren wo die hingekommen denn sie sind nicht alle gleich (auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht)!!! |
| Nun wird die Platine vorsichtig entfernt und beiseite gelegt. Achtung!!! auf der linken Seite unter der Platine ist noch ein Stecker mit schwarzen Kabeln, diesen vorsichtig lösen. |
| Da liegt nun das heiss ersehnte
Ziel unseres Angriff's
Der Chip ist mit fünf Schrauben befestigt, eine davon befindet sich etwas mühsam rechts unterhalb des Sucher's. Hier bitte sehr vorsichtig lösen damit sie nicht wegrutscht und etwa ins Gehäuse wandert/fällt. Nun kann das Chipmodul vorsichtig abgenommen werden. Wieder gilt den Sitz der Schrauben zu notieren. |
| Nun werden an den markierten
Stellen die Schrauben gelöst, das silberne Ding's wird abgenommen und die
Lage der Schrauben notiert.
Dann den schwarzen Filterhalter wegnehmen. Unter dem schwarzen Filterhalter ist noch eine Dichtung welcher evtl. am Halter etwas haften bleibt. Also Vorsicht beim wegnehmen. Diese Dichtung verbleibt dort wo sie ist und braucht nicht weggenommen zu werden. Nachdem der Chip offen liegt kommt dieser unbedingt an einen geschützten Ort wo er nicht beschädigt werden kann, am besten in eine Antistatikhülle und weit, weit weg. |
| Der Filterhalter hat eine Art Abdeckung aus
Kunststoff und diese kann nicht einfach weggezogen werden denn sie ist
angeklebt. Mit einen Japanmesser wird sie langsam und vorsichtig, ohne zu
beschädigen, weggeschnitten.
Anschliessend beiseite legen und die Lage notieren wie die Abdeckung auf dem Filterhalter lag (welche Seite oben ist usw.).
Nun geht es dem Filter an Kragen :-)) Dieser wird mit dem Japanmesser herausgeschnitten und spätestens jetzt stellen wir fest dass der Baaderfilter (falls wir einen solchen einbauen) um einiges kleiner ist. Das ganze Silikon welches noch im Filterhalter verblieben ist können wird auch entfernt, aber wirklich restlos entfernen. Übrige Reste werden mit Druckluft einfach weggepustet Wenn wir jetzt keinen Baader-IR-Filter einbauen, können wir nun die Kamera in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammen bauen, ansonsten geht es weiter im Text... Jetzt wird der neue Filter im Filterhalter mit dem Sekundenkleber fixiert, bitte den Filter vorsichtig behandeln denn wir wollen diesem ja keine Kratzer oder gar schlimmeres zufügen. Nachdem der Kleber angezogen hat werden etwaige Kleberreste mit den Wattestäbchen, die vorher in Reinigungsbenzin getaucht wurden, ganz vorsichtig entfernt. Lieber drei/vier mal, mit immer wieder neuen in Reinigungsbenzin getauchten Wattestäbchen, darüber wischen. Nach etwa einer halben Stunde des Trocknens kann die Lücke zwischen Filterhalterrand und Baaderfilter mit Silikon aufgefüllt werden. Da es einiges an Kraftaufwand erfordert müssen wir unbedingt sehr vorsichtig arbeiten damit wir nicht abrutschen und evtl. den Filter beschädigen. Danach gilt es den Silikon glatt zu streichen (aber bitte nicht über den Filter verteilen) und antrocknen zu lassen, damit die Hautbildung etwas schneller vonstatten geht kann man sich mit Druckluft behelfen (eine Dose wird dann aber kaum reichen). Da wir in einem Elektroniklabor arbeiteten hatten wir das Glück über einen Druckluft-Anschluss zu verfügen, wer das nicht hat lässt das Ganze einfach ein/zwei Stunden antrocknen und genehmigt sich ein erstes Bierchen ;-) Bevor wir nun Chip und Filterhalter wieder zusammenbauen werden diese mit Druckluft gereinigt. Bitte den Filterhalter bzw. den Filter im Gegenlicht auf etwaige Verunreinigungen kontrollieren und, wenn nötig, nochmals mit Benzin und Wattestäbchen reinigen. Wenn man den Filter im Gegenlicht spiegelt soll nicht die geringste Verunreinigung oder schlieren zu sehen sein. Jetzt können wir Filterhalter und Chip wieder verbinden und damit da kein Staub dazwischen kommt, hat mein Freund mit wenig Druckluft von der Seite her dazwischen gepustet, solange bis Filterhalter und Chip aufeinander aufliegen. Nun sind wir fertig, aber halt, natürlich wird die Kamera in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammen gebaut.
Dazu ein paar Hinweise: Vor jedem nächsten Schritt sehr gut kontrollieren ob auch wider alle Schrauben an ihrem Platz sind. Die Datenleitungen auf der Sucherseite verziehen sich beim einsetzen der Platine gerne ins Gehäuseinnere, sie lassen sich aber mit beschriebenem Hackenwerkzeug sehr gut wieder hervor holen. Alternativ kann man auch eine feine Pinzette verwenden. Unbedingt aufpassen dass die Datenleitungen nicht beschädigt werden. Alle Datenleitungen lieber dreimal kontrollieren ob diese gut in den Steckern sitzen, man auch wirklich alle wieder eingesteckt hat und die Steckerverriegelungen geschlossen sind. Die Steckerabdeckung auf der linken Seite geht schwer wieder an ihrem Platz, also nicht die Geduld verlieren.
Haben wir beim Zusammenbau alles richtig gemacht bedankt sich die Kamera dass wir beim einschalten Datum und Uhrzeit erneut eingeben können. Huuuraaaa!!! wir haben es geschafft.
Die ganze Umbauaktion hat rund 3 1/2 Stunden gedauert, allerdings ohne ein Bierchen dazwischen, diese haben wir uns danach genehmigt :-))
Danksagung: Ich möchte Mikey besonderen Dank aussprechen, ohne seine Hilfe, tatkräftige Unterstützung und Ermutigung wäre dieser Umbau wohl nicht so schnell erledigt gewesen.
Fazit: Mit dieser Modifikation liegt der Schwerpunkt der Kamera voll in der Astrofotografie, dies soll aber nicht heissen dass man die Kamera nicht mehr für normale Fotos gebrauchen kann. Mit einem manuellen Weissabgleich, der allerdings nur in den manuellen Modi verfügbar ist, kann man die Kamera weiterhin in der Tagesfotografie einsetzen. Falls jemand Hilfe braucht oder Fragen zum Umbau hat, ihr wisst wo mein Briefkasten ist.
Astronomische Grüsse euer sternenbeobachter.ch |